Aufgaben und Tätigkeiten kompakt

Orthopädieschuhmacher/innen stellen anhand von ärztlichen Verordnungen orthopädische Maßschuhe her bzw. arbeiten Konfektionsschuhe um und passen sie individuell an. Ebenso fertigen sie Innenschuhe, Einlagen, Korrekturschienen, Orthesen

Fachworterklärung

Orthese

Kurzwort für orthopädische Prothese. Haltungskorrigierender Stützapparat, der zum Ausgleich von Funktionsausfällen der Extremitäten oder der Wirbelsäule eingesetzt wird.
, Prothesen

Fachworterklärung

Prothese

Fachausdruck für den künstlichen Ersatz fehlender Körperteile.
und weitere Hilfsmittel oder passen sie an. Hierfür machen sie Lauf- bzw. Ganguntersuchungen, nehmen Maß an den Kunden bzw. Patienten, erstellen Modelle und Abdrücke und verarbeiten die Materialien wie Oberleder oder Sohlen passgenau. Dabei beachten sie stets die biomechanische

Fachworterklärung

Biomechanik

Teilgebiet der Biophysik (Wissenschaft von den physikalischen Vorgängen in und an Lebewesen), das sich mit den mechanischen Vorgängen im Körper befasst.
Wirkung und Passform sowie ästhetische Aspekte. Sie beraten ihre Kunden und Patienten beispielsweise über vorbeugende und gesundheitsverbessernde Maßnahmen, geben Tipps zur Handhabung und Wirkungsweise der Hilfsmittel sowie zur orthopädieschuhtechnischen Versorgung. Auch das Präsentieren und Verkaufen von Produkten und Dienstleistungen fällt in ihr Aufgabengebiet. Menschen aller Altersgruppen zählen zu ihrem Kunden- bzw. Patientenkreis, darunter Menschen mit Behinderung, Diabetes- oder Rheumakranke, aber auch Spitzen- oder Breitensportler/innen.

Aufgaben und Tätigkeiten (Beschreibung)

Worum geht es?

Orthopädieschuhmacher/innen fertigen individuell angepasste orthopädische Maßschuhe und orthopädieschuhtechnische Hilfsmittel wie Einlagen oder Orthesen. Sie passen vorkonfektionierte Ware nach ärztlichen Verordnungen an und beraten sowie betreuen Kunden und Patienten.

Schuhe von der Stange auf Maß gebracht

Die Ursachen, warum Kunden auf orthopädische Schuhe oder fußmedizinische Hilfsmittel angewiesen sind, sind vielschichtig. Manchmal führt eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes

Fachworterklärung

Diabetes mellitus

Kurz: Diabetes Wissenschaftliche Bezeichnung für eine Erkrankung, die mit einem erhöhten Blutzuckergehalt sowie der Ausscheidung von Zucker im Urin einhergeht. Unterschieden werden der Typ I, der vor allem bei Jugendlichen unter 20 Jahren auftritt, sowie der Typ II, die so genannte Altersdiabetes; sie tritt i.d.R. bei älteren Menschen auf. Auch: Zuckerkrankheit
dazu, dass der Fuß besonders anfällig für Druckstellen ist. In solchen Fällen werden z.B. spezielle Materialien zur Druckentlastung für Einlagen und Schuhe verwendet. Auch neuropathische und rheumatische Erkrankungen, Sportverletzungen, Skelettverformungen oder ungleiche Beinlängen können durch orthopädische Hilfsmittel ausgeglichen werden.
Orthopädieschuhmacher/innen untersuchen zunächst Füße und Beine der Kunden bzw. Patienten und nehmen Trittspuren ab. Anschließend fertigen sie Profilzeichnungen an, stellen Modelle her und wählen die passenden orthopädischen Leisten

Fachworterklärung

Leisten

Dem Fuß nachgebildetes Modell aus Weißbuchenholz, Kunststoff oder Metall.
aus. Da ärztliche Verordnungen aus Kostengründen vermehrt vorsehen, industriell gefertigte Konfektionsschuhe umzuarbeiten und anzupassen, wählen Orthopädieschuhmacher/innen die dem Einsatzbereich und der Indikation entsprechenden teilkonfektionierten Schuhe aus, z.B. Verband- und Entlastungsschuhe oder Diabetikerschutzschuhe, und modifizieren sie. Dabei prüfen sie die biomechanische

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Biomechanik

Teilgebiet der Biophysik (Wissenschaft von den physikalischen Vorgängen in und an Lebewesen), das sich mit den mechanischen Vorgängen im Körper befasst.
Wirkung und die Passform und berücksichtigen ästhetische Gesichtspunkte.

Schuhe nach Maß

Reicht eine Anpassung orthopädischer Konfektionsschuhe nicht aus, um die Beschwerden der Patienten zu lindern, stellen Orthopädieschuhmacher/innen auch maßgefertigte Schuhe her. Dazu nehmen sie zunächst mittels Trittschaum, Scan oder Gips einen Fußabdruck, analysieren ihn und stellen so die Belastungspunkte fest. Auch eine Bewegungsanalyse führen sie durch und bedienen hierfür elektronische Mess- und Diagnosegeräte. Aus den Abformungen bzw. mithilfe der Messergebnisse stellen sie in der Werkstatt die Leisten her, ergänzen sie mit den orthopädieschuhtechnischen Anforderungen und beziehen auch die Wünsche der Kunden mit ein. Sie wählen Materialien wie Leder, Textilien und Gummi aus. Das Leder ziehen sie über die Leisten, um es in die gewünschte Form zu bringen, und nageln oder kleben Sohlen, Absätze und Einlagen an. Passform und Funktion der gefertigten Schuhe überprüfen sie durch Anproben der Kunden bzw. Patienten.
Orthopädieschuhmacher/innen reparieren orthopädische Maß- oder Konfektionsschuhe auch. Sie ersetzen Sohlen oder Absätze, bearbeiten sie mit Schleif- und Ausputzmaschinen oder reparieren z.B. geplatzte Nähte.

Orthopädische Hilfsmittel und medizinische Fußpflege

Neben orthopädischen Schuhen fertigen Orthopädieschuhmacher/innen auch weitere orthopädische Hilfsmittel, etwa Einlagen, Bandagen, Unterschenkel- und Fußorthesen

Fachworterklärung

Orthese

Kurzwort für orthopädische Prothese. Haltungskorrigierender Stützapparat, der zum Ausgleich von Funktionsausfällen der Extremitäten oder der Wirbelsäule eingesetzt wird.
, Hilfsmittel zur Kompressionsversorgung, Innenschuhe, Fußprothesen

Fachworterklärung

Prothese

Fachausdruck für den künstlichen Ersatz fehlender Körperteile.
und vieles mehr bzw. passen sie entsprechend an.
Seltener führen sie bei ihren Kunden auch Maßnahmen der medizinischen Fußpflege durch. Dabei stellen sie zunächst krankhafte Veränderungen an der Haut, den Nägeln oder dem Fußgewebe fest, die sie dann behandeln: Sie schneiden oder schleifen Zehennägel, entfernen Druckstellen, Hornbildungen, Dornwarzen und Hühneraugen. Um ein Einwachsen von Nägeln zu verhindern, bringen sie ggf. Nagelkorrekturspangen an.

Kunden beraten und betreuen

Die Beratung und Betreuung der Kunden und Patienten nimmt einen hohen Stellenwert ein. Orthopädieschuhmacher/innen erklären nicht nur die Handhabung und Wirkungsweise der Hilfsmittel und informieren über etwaige Folgeerscheinungen. Sie unterbreiten auch Vorschläge zur orthopädieschuhtechnischen Versorgung unter Berücksichtigung ärztlicher Verordnungen sowie festgestellter Auffälligkeiten und geben Tipps zu vorbeugenden und gesundheitsverbessernden Maßnahmen.
Daneben präsentieren und verkaufen sie in den Verkaufsräumen auch orthopädieschuhtechnische Waren und Dienstleistungen.

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

  • Vorarbeiten wie Maßnehmen, Abdrücke und Muster bzw. Modelle erstellen
    • Fuß- und Beinuntersuchungen vornehmen, Trittspuren abnehmen
    • Profilzeichnungen von Fuß und Bein anfertigen
    • Positivmodelle je nach Korrektur- und Rehabilitationsmaßnahme herstellen und bearbeiten
    • Modelle, z.B. für orthopädieschuhtechnische Einbauelemente, anhand eines Positivmodells entwickeln
    • Schaftmodelle nach funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten herstellen
    • je nach Fehlform orthopädische Leisten

      Fachworterklärung

      Leisten

      Dem Fuß nachgebildetes Modell aus Weißbuchenholz, Kunststoff oder Metall.
      auswählen, dabei Lotstellung beachten, Fußumrissmaße auf Leisten übertragen
    • Analysen und technische Messungen (auch PC-basiert) durchführen, z.B. Ganganalysen bei Sporttreibenden oder Druckmessungen bei Patienten mit Diabetes
  • orthopädische Maßschuhe herstellen bzw. instand setzen
    • Bodenbefestigungsarten auswählen, Brandsohlen, Kappen und andere Schuhteile rangieren, Bodenelemente durch Beschneiden, Schleifen, Fräsen usw. in Form bringen
    • Oberleder bzw. Lederersatzstoffe zuschneiden, stanzen und vorrichten (z.B. durch Schärfen, Buggen und Unterfüttern)
    • Schäfte vorbereiten, aufzwicken und steppen
    • Schuhteile verbinden, z.B. durch Nageln, Kleben, Steppen und Nähen
    • Funktionsteile und Schuhteilelemente, z.B. Halbsohlen, Absätze, Haken, Ösen, korrigieren, austauschen bzw. erneuern, geplatzte Nähte reparieren und mit Schleif- und Ausputzmaschine bearbeiten
  • konfektionierte Schuhe anmessen und anpassen, orthopädische Zurichtungen anbringen
    • teilkonfektionierte Schuhe, Verband- und Entlastungsschuhe bzw. konfektionierte Therapieschuhe (z.B. Diabetikerschutzschuhe) nach ärztlicher Indikation bzw. Einsatzbereich auswählen und entsprechend modifizieren
    • biomechanische

      Fachworterklärung

      Biomechanik

      Teilgebiet der Biophysik (Wissenschaft von den physikalischen Vorgängen in und an Lebewesen), das sich mit den mechanischen Vorgängen im Körper befasst.
      Wirkung und Passform überprüfen
    • orthopädische Zurichtungen vornehmen, z.B. Sohlen- und Absatzrollen zuschneiden und aufbringen
  • konfektionierte Bandagen, Orthesen

    Fachworterklärung

    Orthese

    Kurzwort für orthopädische Prothese. Haltungskorrigierender Stützapparat, der zum Ausgleich von Funktionsausfällen der Extremitäten oder der Wirbelsäule eingesetzt wird.
    und Hilfsmittel zur Kompressionsversorgung anmessen und anpassen
    • Fuß- und Kniebandagen sowie weitere Hilfsmittel zur Kompressionsversorgung der unteren Extremitäten anmessen, anpassen, Sitz und Passform überprüfen
    • fixierende und korrigierende Schienen sowie weitere Unterschenkel-, Knie- und Fußorthesen auswählen und entsprechend modifizieren
    • biomechanische Wirkung und Passform überprüfen
  • Einlagen, Innenschuhe, Unterschenkel- und Fußorthesen sowie Fußprothesen

    Fachworterklärung

    Prothese

    Fachausdruck für den künstlichen Ersatz fehlender Körperteile.
    anfertigen
    • orthopädische Einlagen bzw. Zehen- und Fußprothesen nach ärztlicher Indikation sowie Sondereinlagen nach Positivmodell herstellen und in den Schuh einpassen
    • Innenschuhe sowie Unterschenkel-, Zwei-Schalen-, Knöchel- und Kleinorthesen konstruieren und anfertigen
    • Schuhe für Beinprothesen passgerecht umarbeiten
    • Wirkungsweise überprüfen, ggf. nachbearbeiten
  • orthopädische Elemente anfertigen
    • stützende, bettende, korrigierende, kompensierende und weitere orthopädieschuhtechnische Teilelemente herstellen, bearbeiten, formen und einarbeiten
    • technische Umsetzung von Verkürzungsausgleichen bei Differenzen der Beinlängen festlegen, Verkürzungsausgleiche lotgerecht aufbauen
    • Versteifungselemente, z.B. Knöchel- und Arthrodesenkappen, herstellen
    • bei Anprobe Passform und Funktion überprüfen, ggf. Einbauelemente anpassen
  • Kunden und Patienten beraten und betreuen
    • die Wirkungen orthopädieschuhtechnischer Maßnahmen erklären und über eventuelle Folgeerscheinungen informieren
    • zur funktionsgerechten Handhabung von und zum sachgerechten Umgang mit orthopädieschuhtechnischen Hilfsmitteln anleiten
    • Möglichkeiten von orthopädieschuhtechnischen Versorgungen unter Berücksichtigung ärztlicher Verordnungen und festgestellter Auffälligkeiten vorschlagen
    • zu vorbeugenden und gesundheitsverbessernden Maßnahmen, v.a. zur Verbesserung der Geh- und Stehfähigkeit, beraten
  • Produkte, Waren und Dienstleistungen präsentieren und verkaufen
  • medizinische Fußpflege durchführen
    • krankhafte Veränderungen an Haut, Nägeln und Gewebe feststellen und behandeln
    • Fußpflegemaßnahmen unter Einsatz spezieller Einrichtungen, Instrumente und Pflegemittel durchführen, z.B. Zehennägel schneiden und schleifen, Nagelkorrekturspangen anbringen, Druckstellen, Hühneraugen, Hornbildungen usw. entfernen
    • gesetzliche Regelungen beachten, z.B. Arzneimittel-, Heilpraktiker- und Podologengesetz